Die Lust am Spielen

Kennen Sie den Begriff Potentialspiel? Sollten Sie, denn dahinter verbirgt sich eine der faszinierendsten Fähigkeiten des Menschen: Seine Lust am Spielen.

Sie, ja Sie, spielen öfter als Sie es wahrscheinlich wahrnehmen. Hier gibt es unzählige Varianten und sehr verbreitet sind zum Beispiel

  1. Slalomfahren mit dem Fahrrad. Dies lässt sich auch sehr gut bei anderen beobachten. Da beginnt man plötzlich Gullidecke zu umrunden und bestimmten Merkmalen auf der Strasse gekonnt auszuweichen.
  2. Der gedankliche Countdown an der Ampel, bei dem man versucht den Beginn der kommenden Grünphase genau abzupassen.
  3. Das wohl mit Abstand bekannteste Potentialspiel ist ‚Nicht auf die Rille treten‘. Jeder von uns hat es schon erlebt, wenn er zu Fuß auf dem Weg von A nach B war. Je bekannter der Weg einem ist, bzw. je weniger Ablenkung man dabei erlebt, desto öfter beginnt man einfach mal nicht mehr auf die Rillen & Spalten auf dem Fußweg zu treten. Besonders bei Kopfsteinpflaster sehr naheliegend.

Sie spielen also wirklich öfter, als Sie denken. Das menschliche Gehirn ist eine reine Lernmaschine. Mal von den ‚Fesseln des Alltags befreit‘, suchen wir regelrecht nach Aktivitäten, die uns fordern und spielerisch lernen lassen. Denken Sie einfach alleine mal an die drei beliebtesten, freiwilligen Aktivitäten wie Spiel, Sport & Hobby.

 

„Wir haben uns daher gefragt, warum der Mensch bestimmte Aktivitäten intrinsisch motiviert ausführt und andere nicht. Warum also macht er manchmal etwas nur um des Machens willen? Und weshalb performt er gerade dort so außergewöhnlich gut?“

 

Die Antwort auf diese Fragen nennen wir Gamification. Hierbei handelt es sich um das Schaffen von Rahmenbedingungen und dem gezielten Nutzen ausgesuchter Elemente und Mechaniken, um vor allem eines zu erreichen: Motivation & Engagement. Langfristig und selbstorganisiert.

Überall dort wo menschliches Verhalten ein Rolle spielt, kann Gamification seinen Einsatz finden. Quer durch alle Industrien, Branchen, Anwendungsgebiete, Altersstrukturen und Kulturen.

 

Um etwas gamifizieren zu können, müssen 3 Punkte im Vorfeld geklärt werden:

1.Ist es erlernbar

Ein erlebter, spielerischer Zustand ist nichts anderes als „Selbstorganisiertes, intrinsisch gesteuertes Lernen“. Ohne die Möglichkeit etwas lernen zu können und somit besser zu werden, kann Spiel nicht funktionieren.

2.Ist es messbar?

Fortschritt & Rückschritt, die beiden wichtigsten Erlebnisse im Spiel, basieren auf der Fähigkeit die Konsequenzen des eigenen Handelns bewerten und in einen Kontext setzen zu können. Spielerisches Verhalten bedingt die Anwesenheit von Zielen, Regeln und Herausforderungen. Ohne die Möglichkeit der Messung, wären diese ohne jeden Bezug zueinander.

3.Kann man Feedback geben?

Im Spiel scheitern wir mit einem sehr hohen %-Satz und dennoch lieben wir es zu spielen. Oder gerade deswegen?! Es ist vor allem das individuelle und direkte Feedback, das es uns ermöglich zu agieren und Rückschlüsse aus den Geschehnissen zu ziehen. Ohne die Möglichkeiten eines persönlichen Feedback, ist es kaum möglich, Gamification Nutzen bringend einzusetzen.

 

Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Dieser Satz, der in diesem Augenblicke vielleicht paradox erscheint, wird eine große und tiefe Bedeutung erhalten, wenn wir erst dahin gekommen sein werden, ihn auf den doppelten Ernst der Pflicht und des Schicksals anzuwenden; er wird, ich verspreche es Ihnen, das ganze Gebäude der ästhetischen Kunst und der noch schwierigen Lebenskunst tragen. – Friedrich Schiller

 

 

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