Was ist eigentlich Gamification? Der Begriff schwirrt ja seit ein paar Jahren gezielt durch alle Medien, und seit 1-2 Jahren hört man ihn auch in Deutschland. Inspiriert durch den Artikel von Mael Roth ‚Wie du Inbound Marketing einfach deiner Mutter erklärst‚ nehme ich den gleichen Ansatz und beschäftige mich in diesem Artikel mit der Frage: Wie du Gamification einfach deiner Mutter erklärst.

Seit 2006 beschäftige ich mich mit Gamification und seit 2009 habe ich mich dem Thema komplett verschrieben. Natürlich kommt da früher oder später auch die Frage der Eltern, was man eigentlich macht und der Blick, den man dann erntet ist oftmals sehr amüsant.

In der Regel oft gefolgt von: „Ach, du baust also Spiele? Für wen? Für Unternehmen, Kunden, Mitarbeiter? Aber die sollen doch arbeiten und nicht spielen!“

Also Mama…

…erinnerst du dich noch an die Zeiten als es darum ging, dass ich endlich  meine Hausaufgaben mache? Ich kann mich da an folgende Szenarien erinnern:

1. „Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, dann… (setze hier eine Strafe ein).“

2. „Wenn du deine Hausaufgaben machst, dann… (setze hier eine Belohnung ein).“

Problem Szenario 1: Dabei gibt es nur Verlierer. Ich war sauer zu etwas gezwungen zu werden und du wars sauer, dass ich dich in diese Situation ‚gezwungen‘ habe. Und das Resultat? Ich setzte mich zwar hin, mein Ziel bestand jedoch darin, die benötigte Zeit auf ein Minimum zu reduzieren. Qualität der Hausaufgaben war für mich egal.

Problem Szenario 2: Auch hier gibt es nur Verlierer. Ich setze mich zwar hin mit dem Ausblick auf eine Belohnung, die Erkenntnis ausgetrickst worden zu sein kommt aber 100%ig später auf. Du hast mich zwar nicht zwingen müssen, jedoch musstest du dir schon mal überlegen, womit du mich das nächste Mal bestichst. Denn, mittelfristig, funktionieren die selben Belohnungen nicht nochmal. Und das Resultat? Ich setzte mich zwar hin, mein Ziel bestand jedoch darin, die benötigte Zeit auf ein Minimum zu reduzieren. Qualität der Hausaufgaben war für mich egal. Hm, das kennen wir doch, oder?

Und dann gab es da noch andere Aktivitäten. Spielen mit den Freunden, die Familienspiele am Abend, das eigene Hobby wie Modellbau, mein Sport, die Videospiele, usw.. Sehr selten gab es hier auch nur eine Diskussion, bzw. musstest du dir Strafen oder Belohnungen für mich überlegen, richtig? Ja natürlich, weil es mir Spaß gemacht hat. Nicht immer gleich viel, so wurde der Sport mit steigendem Leistungsdruck nicht immer zum reinen Spaß, jedoch lagen selbst da immer noch Welten, in Bezug auf meine Motivation, zwischen den Hausaufgaben und meinem Training. Aber warum war das so? Woher kam hier der Spaß bei der Sache?

Es ist die Aufgabe von Gamification, genau dies zu beantworten und uns daraus lernen zu lassen. Wir sind an den Dingen interessiert, die dafür sorgen, dass freiwillige Aktivitäten überhaupt erst freiwillig werden. Und ich meine wirklich freiwillig nicht bloß vernünftig. Natürlich ist es vernünftig die Spülmaschine auszuräumen, deshalb machst du es noch lange nicht wirklich freiwillig.

Wir wissen, dass der Mensch um ein vielfaches ausdauernder, leistungsfähiger und kreativer ist, wenn er Dinge wirklich freiwillig macht. Bei den meisten anderen Aktivitäten rücken andere Dinge in den Fokus, wie man am Beispiel Hausaufgaben und die aufgewendete Zeit hierfür gesehen hat.

Wenn man nun betrachtet wie viele Menschen tägliche Aufgaben als langweilig, eintönig oder frustrierend bezeichnen, dann muss einem die Disziplin Gamification und ihr Potential doch einfach ins Auge springen, oder?

Gamification untersucht welche Rahmenbedingungen & Elemente unsere Aktionen wirklich freiwillig werden lassen und transferiert sie dann auf langweilige, eintönige und frustrierende Aufgaben. Mit dem Ziel, das Beste im Menschen zu entfalten.

Was meinst du Mama? Ist doch eine gute Einstellung, oder?

Nachtrag: Und wie erkläre ich meiner Mutter einfach, was Gamification NICHT ist?

Gamification ist selbst für viele Marketing- & Softwareagenturen und selbst manche ‚Gamificationexperten‘ nur ein Buzzwort. Als Ergebnis erhält man dann Konzepte und Ansätze, die sich auf das Verschleudern von Punkten & Badges fokussieren. Am besten noch verbunden mit einem bunten Avatar und einer Rangliste, die als motivierendes Tool verkauft werden.
Eine Bitte: Wenn Sie das nächste Mal jemanden treffen, der Ihnen erzählen möchte das dies das Geheimnis von Gamification ist und Sie deshalb genau auf diese Elemente setzen sollten, dann rennen Sie. Glauben Sie mir, es ist nur zu Ihrem besten. Kaufen Sie nicht alten Wein (denn Belohnungspunkte, Wettbewerbe, Ranglisten, usw. werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt) in neuen Schläuchen. Nur weil unsere altbekannte Bonuskarte nun digitalisiert wird und das ganze leider Gamification genannt wird, ist es nicht plötzlich der Heilsbringer für das es verkauft wird.

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  • […] Rackwitz hat kürzlich in einem Blog-Beitrag in einfachen Worten erklärt, was Gamification ist. Ganz so elegant schaffe ich es wohl nicht, aber vielleicht wirds ja auch […]

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