Fuzzy Ziele für Gamification

Der Begriff Fuzzy Ziele steht für nicht ganz greifbar sein; verschwommen; unscharf.

Ein Fuzzy Ziel kann daher nicht 100%ig vorbestimmt sein. Man kennt die Richtung und weiß ungefähr wohin es geht. Eine klare Grenze, die allgemein gültug erkennen lässt wann das Ziel erreicht ist, gibt es aber nicht.

Mein Lieblingsbeispiel, um ein Fuzzy Ziel zu erklären, ist: „Mach doch mal das Wasser warm„. Aber was ist warm? Ab wann ist es warm? Wann lauwarm? Oder zu warm oder nicht warm genug?

Und es gibt nicht nur Fuzzy Ziele. Dazu gehört auch die Fuzzy Logik und sogar die Fuzzy Mathematik. Ja, es gibt eine eigene Mathematik dafür.

Vor knapp zwei Jahren bin ich auf das Thema Fuzzy und damit auch die Fuzzy Mathematik gestossen und es hat mich in seinen Bann gezogen. Die Möglichkeit Unschärfe als Logik und als zu erreichendes und damit auch bewertbares Ziel in Mathematik abzubilden, hat für mich neue Welten eröffnet. Denn gerade in unsteten Zeiten muss ein Ziel immer anpassbar sein. Es von vornherein eher fuzzy zu definieren ist für mich daher ein no-brainer. Dank der Fuzzy Mathematik kann man dafür sogar eine Logik entwickeln und skalierbar machen.

Fuzzy in der Praxis

Das das jetzt nicht nur irgendein theoretisches Thema ist, beweißt zum Beispiel der Einsatz von Fuzzy Mathematik in Waschmaschinen. Denn hier muss das Gerät auf den Schmutzgrad der Wäsche reagieren. Aber ab wann ist etwas schmutzig, sehr schmutzig, nicht ganz so schmutzig? Ich denke man versteht worauf ich hinaus möchte.

Fuzzy Ziele lassen mehr Flexibilität zu als Fixed-Ziele

Quelle: http://gamestorming.com/

Auch in Raketensteuerungssystemen findet Fuzzy Mathematik Einsatz und vielem mehr. Ich finde es spannend, dass es das Thema noch nicht verstärkt in die interne Unternehmenssteuerung geschafft hat. Denn gerade dort, wo man immer mehr auf eine unvorhersagbare Zukunft sieht, wäre der Einsatz doch prädestiniert, oder?

Gamification

Und damit wären wir beim Kernthema: Fuzzy Ziele als elementarer Bestandteil im Gamification-Design.

Erinnern sie sich, lieber Leser, nun bitte einmal zurück an ein Videospiel, Brettspiel, Kartenspiel, oder einem Erlebnis im Sport oder bei ihrem Hobby. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wissen sie kein genaues Ergebnis mehr. Warum? Weil in einem spielerischen Erlebnis dieses nur zwei-, dritt-, oder zehntrangig ist. Was zählt, und in Erinnerung bleibt, ist jedoch die eigene Strategie, mit der man ein spezielles Spiel gewonnen hat. Der Ansatz, bzw. die Kombination aus mehreren Aktionen, mit der man die Herausforderung letzten Endes bewältigen konnte.

Viel bedeutender als irgendein genau zählbarer Punktestand am Ende ist nämlich die eigene Strategie, die man angewendet hat. Das macht spielerische Faszination aus. Eine individuelle Strategie verlangt aber immer auch nach einem individuellen Ziel. Denn wenn es am Ende alle Strategien zum exakt gleichen Ziel führen, dann ist automatisch nur die effizienteste Vorgehensweise, um dieses zu erreichen, sinnvoll. Hierzu 1 Minute Insights:

Aktivitätsfokus vs. Resultatsfokus

Somit liegt der Fokus im spielerischen Umfeld also primär auf der Aktivität selbst. Ziele haben sich nach dem Verhalten des Spielers zu richten. Dabei müssen sie flexibel genug sein, sowohl eine individuelle Aussagekraft der Performance des Spielers auszudrücken, als auch einen bestimmten Rahmen nicht zu überschreiten. Schließlich muss das Ziel immer noch einen Sinn ergeben, innerhalb der übergeordneten Story.

Diese Flexibilität hilft natürlich auch dabei wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Natürlich nur solange diese Veränderung nicht einen extremen Schwellenwert überschreitet.

Benefit

Die Charakteristik von Fuzzy Zielen, also die natürlich Unschärfe darin, erlaubt es uns einen eigenen Weg zu entdecken. Neugier auf das was noch kommt ist damit immer wieder möglich. Man schreitet also nicht stumpf voran, immer mit dem Blick auf das zu 100% zu erreichende Ziel. Somit folgt man auch keinem genormten und effizientesten Weg. Einer gefährlichen Eintänigkeit und Vorhersagbarkeit im Job wird damit entgegengearbeitet.

Fuzzy bedeutet auch weniger Fehleranfällig und weniger Möglichkeiten klassisch zu scheitern. Dies schafft eine Situation, die zu kreativem und innovativem einlädt. Zumindest um ein x-faches mehr, als in einer Situation in der es eine genormte und effizienteste Art und Weise gibt, etwas auszuführen.

Auch bleibt man wachsamer. Wann immer man sich in einer Situation weiß, in der die eigene Strategie maßgeblich ein Ergebnis beeinflussen kann, desto aufmerksamer bleibt man. So interessiert man sich meist auch für periphere Aktivitäten anderer Kollegen. Schließlich kann es hier immer wieder zu neuen Begebenheiten kommen, die man selbser nutzen kann. Eine Kultur der Kollaboration und des Teamwork bauen darauf auf.

Fazit

Eine der fünf elementaren Säulen unserer Gamification-Philosophie ist die Entscheidungsfreiheit. Sie ist unabdingbar für das Schaffen eines Umfelds, das spielerisches Verhalten zulässt. Fuzzy Ziele gehen damit konform und erlauben es diese Säule auch strukturiert in einer Organisation zu verankern.

Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass in beruflichen Umfeldern die keinerlei Spielraum für Fuzzy Ziele zulassen, Gamification strukturelle Probleme vor sich hat. Der Einsatz von Gamification-Design ist hier im Vorfeld sehr genau zu prüfen. Ich denke, dass Beispiel der Fließbandarbeit lässt dies sehr gut erkennen. Fuzzy Ziele sind hier kaum machbar. Entscheidungsfreiheit damit nicht gegeben und die angesprochenen 5 Säulen gebrochen.

Konsequenz: Gamification ist hier nicht zu empfehlen. Statt dessen ist dies aber ein idealer Einsatzbereich für klassische Belohnungssysteme.

Der Fuzzy-Ansatz lässt sich sehr gut mit dem Fokus auf den Reifegrad von einzelnen Mitarbeitern kombinieren, über den wir hier berichtet haben.

 

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