Wie funktionieren Punkte und Badges

Warum funktionieren Punkte und Badges?

Oft werden sie als der heilige Gral von Gamification agesehen: Punkte und Badges. Schließlich findet man diese Elemente doch auch in fast jedem guten Spiel, oder?

Während dies durchaus richtig ist, ist es die Schlussfolgerung die meistens daraus gezogen wird, leider nicht. Man kann nicht einfach die Logik umdrehen und deshalb argumentieren, dass Spiele so erfolgreich sind gerade weil Punkte und Badges verwendet werden und somit müssen es wohl diese beiden Elemente sein, die den Menschen dazu motivieren spielen zu wollen.

Der teure Fehler

Aber genau so argumentieren viele und dieses gefährliche Halbwissen hat sich auch längst in den oberen Etagen von Unternehmen festgesetzt. Scheint es doch so einleuchtend. Schließlich nutzen wir doch, spätestens seit Adam Smith, auf eine sehr effiziente Art und Weise Belohungen als Motivator.

Der Unterschied

Zum Glück ist der Mensch, dann doch nicht ganz so einfach für etwas zu begeistern. Während die eben erwähnten Belohnungen zur Motivation einen extrinsischen Charakter haben, besitzen Spiele einen intrinsischen Charakter. Und das kommt – unter anderem – auch daher, dass sie Punkte und Badges nicht als das motivierende Ziel, das es zu erreichen gilt, einsetzen.

Anders als all die Mitarbeiterbindungs- und Kundenloyalitätsprogramme, bei denen PBLs (Punkte Badges & Ranglisten) nur die eine Aussage haben: „Mach was und du bekommst was!“ Das ist extrinsische Motivation in Reinform.

Richtig paradox wird  es dann, wenn nicht mal mehr wirklich eine Leistung hinter der verlangten Tätigkeit steht, für die man belohnt wird. Dies kommt vor allem daher, dass diese Art der Motivation immer unwirksamer wird. Wir sind umgeben von solchen Programmen. Sie sind allgegenwärtig. Anstatt die Mechaniken dieser Programme daraufhin zu hinterfragen, geschieht genau das Gegenteil: „Es klappt nicht mehr so gut? Ok, dann machen wir einfach mehr davon! Mehr Belohnungen, schneller und öfter.“

 

Aber funktionieren Spiele denn auch so? Also das Paradebeispiel intrinsischer Motivation?

Die Aufklärung

Der Unterschied ist, dass Spiele niemals Punkte und Badges als direkten Trigger, bzw. Grund, zum Spielen einsetzen. PBLs sind immer Resultatsorientiert, während das Spielen selbst rein Aktivitätsorientiert ist. Das heißt: Man spielt um des Spielens Willen.

Was bedeutet das aber für den Einsatz von Punkten und Badges in all den Spielen?

Hier werden diese Elemente nicht als Ziel, das es zu erreichen gilt genutzt, sondern in erster Linie als ein reines Feedbackelement. Das ist ein riesen Unterschied!

  1. Feedback und Führung
  2. Ein ‚Anker‘ für die Zukunft
  3. Dokumentation von Erreichtem
  4. Festigen von Commitment
  5. Trigger für Statusanerkennung

Feedback und Führung

Punkte und Badges (PBs) helfen uns Aktivitäten messbar zu machen. Selbst wenn es sich hier oft nur um eine sehr grobe Messbarkeit handeln kann, ist es genau das, was wir Menschen uns als ‚Richtlinie‘ wünschen. Eine Messbarkeit unseres Verhaltens hilft uns manchmal dabei überhaupt erst Veränderungen und auch Konsequenzen unseres Handelns zu erkennen und zu verstehen.

Ein ‚Anker‘ für die Zukunft

Mit jeder Art von Feedback können PBs uns helfen, kurz innezuhalten und ab dann auf diesem neu erfassten status quo aufzubauen. Wir schreiten voran mit dem Wissen, diesen sicheren, gesetzten Anker bereits zu haben. Vor allem psychologisch gesehen, haben wir hiermit immer einen sicheren Startpunkt, auf den wir zurückgehen können.

Dokumentation von Erreichtem

Richtig dokumentiert und kommuniziert, können PBs auch als Basis für die Kommunikation mit Vorgesetzten und Teammitgliedern gelten. Wenn gewünscht, schaffen sie eine Transparenz in Projektplanungen, Mitarbeitergesprächen und vielem mehr.

Festigen von Commitment

PBs erlauben uns auch untereinander Aktivitäten zu vergleichen. Dies lässt uns erkennen was funktioniert und was nicht, was war der effizientere Weg oder was der effektivere Weg. Auf Grund solch einer Basis und einem trnasparenten Feedbacksystem dank PBs können alle gemeinsam erkennen, in welche Richtung es gehen kann, bzw. sollte.

Trigger für Statusanerkennung

Jeder Mitarbeiter arbeitet individuell und unter unterschiedlichen Bedingungen. (Außer man steht am Fließband) Dieser unterschiedliche Kontext wird bedingt durch Erfahrung, Kollegen, Vorgesetzte, Abreitszeiten und mehr. Unter solchen Bedingungen ist es oftmals schwer einzschätzen, was nun die herausragenden Fähigkeiten des Einen oder des Anderen sind. Richtig eingesetzt, helfen PBs hier individuellen Personen, ihr Erreichtes und auch ihre Rollen, bzw. Fähigkeiten, die für diese Rollen benötigt werden zu zeigen und zu definieren. Gerade in einer sich immer schneller ändernden Arbeitswelt, und Einrichtungen wie interdisziplinären Teams, kann dies von großem Wert sein.

Was ich damit genau meine, habe ich vor kurzem hier beschrieben.

Zusätzlich haben wir dieses Thema auch in unserer Videoserie Q&A behandelt, wo Jörg Niesenhaus von Centigrade genau zu diesem Thema eine Frage gestellt hatte:

 

Fazit zu Punkte und Badges

Also, Punkte und Badges können ein sehr mächtiges Element, für den Einsatz von Gamification, sein. Aber: richtig angewandt gehört die Installation von Feedbackmechaniken zu den letzten 5% eines Gamificationdesigns.

Aktuelle Designs beginnen jedoch gerade damit. So entwickeln sie einen Ansatz, der bereits nativ auf PBs ausgerichtet ist. Das Ergebnis ist dann Resultatsorientiert und somit extrinsisch. Das ist jedoch das Gegenteil von der Existenzbereichtigung von Gamification!

 

Mehr Insights zum Thema Gamification, was zu beachten ist, was funktioniert und was man möglichst vermeiden sollte gibt es auf unserem Youtube-Channel, auf Slideshare und natürlich auf Facebook und Co.

Youtube: https://www.youtube.com/romanrackwitz
Slideshare: http://slideshare.net/romrack
Facebook: http://www.facebook.com/rrackwitz

 

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