TV-Quote gegen Social Media Statistik

Der Glaube an die TV-Quote verbrennt Unsummen

Gestern gab es einen emotional erfreulichen Moment, als die Abonnentenzahl unserer Geheimtipp München Facebookpage die 50.000er Marke überschritten hat. Das bedeutet 50.000 Profile, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Inhalte unserer FB-Page interessiert haben.

Das heißt auch, dass wir hier 50k Profile haben, denen man sehr genau unterschiedliche Attribute zurodnen kann. Wohnregion, Altersgruppe, Geschlecht, und mehr. Die Existenz dieser Statistiken sind wohl jedem bekannt und natürlich geht es noch um einiges tiefer. Je nach Profileinstellungen der einzelnen User. Lasst uns jetzt bitte nicht in eine Datenschutzdebatte eintauchen. Dies ist dann ein weiteres Thema und wir führen hier auch intern viele Debatten darüber.

Ist TV-Werbung überbezahlt?

Ich denke ja. Denn mal ehrlich, was zieht man denn daraus? Am Ende kann es nicht viel mehr sein als der Haken auf der To-Do-Liste der Werbeverantwortlichen Person für ein Unternehmen: .

Das einzig schöne an der TV-Quote ist die Hochrechnung und damit eine meist sehr große Zahl. Natürlich ist es schön, solch eine Reichweite zu bekommen. Momentmal? Reichweite? Entschuldigung. Mein Fehler: Reichweite bringt ja erst mal gar nichts.

Primär benötigen wir die Aufmerksamkeit Zielgruppe und sekundär mehr Wissen über sie! Allein die Reichweite ist, mit Verlaub gesagt, Bullshit.

  1. Wer, bitte schön, bleibt den bei der Werbung Aufmerksam sitzen, schaltet nicht um, nutzt die Gelegenheit nicht für den Gang zum Kühlschrank oder der Toilette, holt nicht sein Handy heraus, um individuelle News, Chats, Stream zu checken?
  2. Und selbst wenn wir wirklich jemanden direkt erreichen, was dann? Beim nächsten Mal hoffentlich wieder so viel Glück? Um so eine Bindung aufzubauen?

Social Media Statistik tut weh, weil sie ehrlich ist

Natürlich sieht man lieber eine theoretische Hochrechnung, die einem ein potentiell erreichtes Millionenpublikum kommuniziert, als die geringeren Impressions, Views, Likes, Shares und Kommentare auf Facebook & Co.

Aber dafür sind diese real. Und, wenn dementsprechend gut geplant, auch wieder erreichbar. Ja, genau die selbe Person, die das letzte Video angesehen und geliked hat, kann nur mit dem zweiten Video und dem weiterführenden Inhalt, ganz individuell erreicht werden. Das ist, als ob man, statt mit der Gießkanne, nun den Rase mit einer Pinzette Halm für Halm gießt. Aber genau so schnell. Und bei Bedarf bekommt sogar jeder Halm seine eigene Wasser-/Düngemischung.

Die einzige TV-Werbung, die auch nur annährend in diesen Aufmerksamkeitsbereich der Massen kommt, ist wohl die Halbzeitwerbung des Super Bowls. Aber sonst…

Es ist also mehr als bloß ein Verdacht, dass die Einschaltquote nicht etwa misst, wie viele Menschen welche Sendungen sehen. Sie misst vielmehr, wann, was und wie lange jene Leute sehen, die Zeit und Nerven genug haben, an der Quotenmessung teilzunehmen. Die Differenz, der systematische Messfehler ist evident – die tatsächliche Quote kann nur niedriger sein als das, was die GfK veröffentlicht. Verständlicherweise hat aber niemand ein Interesse, diesen Messfehler genauer bestimmen zu wollen.

Quote: Claudius Seidl; FAZ; http://www.faz.net/gqz7mf9w

Social Media als Heilsbringer

Nein, nicht wirklich, im derzeitigen Ansatz. Betrachtet man sich die Versuche der Unternehmen einmal genauer, nun ihre Werbebotschaft auf Facebook, Youtube & Co. hinauszupushen, dann tritt eine große Ernüchterung ein. Das muss auch so sein. Versucht man doch, auf Teufel komm raus, die inhaltlichen Erfolgsformeln aus der TV-Ära nun zu transferieren auf……ein völlig anderes Medium. Wie soll das funktionieren? In einem Anflug von Verzweiflung, nach mehreren zum verrücktwerdenden Gesprächen mit Unternehmensverantwortlichen, haben Mael Roth und ich zusammen uns mal ‚ausgesprochen‘:

 

Geheimtipp München in München

Tagtäglich erleben wir bei uns aber – Gott sei Dank – auch die Veränderung im Mindset. Vor allem, wenn sich die Verantwortlichen mal ehrlich selber hinterfragen wie ihr persönliches TV- und auch Konsumverhalten aussieht. Unter diesem Gesichtspunkt müssen sie manchmal selbst grinsen, wie ignorant die bisherigen Versuche hier praktiziert wurden.

Fazit

Am Ende freuen wir uns natürlich sehr über die 50.000+ Follwer. In der Zusammenarbeit mit Unternehmen ist diese Zahl jedoch nur maximal zweitrangig. Hier punktet die genauere Social Media Statistik.

Comments
  • undine
    Antworten

    nützlich und unterhaltsam – DANKE Roman 🙂

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