Blutspende richtig ‚designt‘.

Als Hauptmotiv für die Blutspende nennt das Bayrische Rote Kreuz altruistische Gründe als Hauptmotiv. Dennoch spenden in Deutschland nur etwa 3,5% der Bevölkerung. Um hier entgegenzuwirken, setzt man auf klassische Botschaften, die zum Handeln motivieren sollen.

„Zögern Sie nicht! Helfen Sie, jemanden vor dem Tod zu bewahren!“

Das ist eine klassische Denkweise, die durchaus wirksam sein kann. Solche Aufrufe kennen wir immerhin schon seit Jahrhunderten, wenn es darum geht, dass wir Menschen zu etwas motivieren wollen. Das heißt aber (leider) nicht, dass es auch die beste Vorgehensweise ist. Denn eines ist klar: Haben wir eine Person durch solch einen extrinsischen Trigger dazu bewegt Blut zu spenden, heißt es beim nächsten Mal wieder mit einem extrinsischen Trigger kommen, um ihn ein weiteres Mal dazu zu bewegen. Das Problem dabei ist nur, dass der Mensch gegen solche Trigger abstumpft. Als Konsequenz müssten die Trigger immer ‚gewaltiger‘ und aufwändiger werden, um einen gleichen positiven Effekt zu erzielen. Siehe das Video vom DRK:

Das ist auf die Dauer teurer und so, auch auf lange Sicht, natürlich nicht aufrechtzuerhalten.

Statt immer wieder von vorne auf solche Trigger angewiesen zu sein gilt es nun, einmal gewonnene Spender zu Wiederholungstätern zu machen. Aber wie? Nur darauf zu bauen, dass der Altruismus die Menschen von selbst zu den Blutspendeeinrichtungen führt, funktioniert ja bekannter Maßen nicht zufriedenstellend genug.

Hier kommt nun das Wissen um die menschliche Motivation ins Spiel. Und zwar in diesem Beispiel, in Form einer intrinsischen Belohnung.

Intrinsische Belohnung ist nicht zu verwechseln mit intrinsischer Motivation. Eine intrinsisch belohnte Aktivität ist erfolgreich wegen dem Resultat nach der Handlung, während man bei einer intrinsisch motivierten Aktivität, um Machens der Aktiviät selbst, handelt. – Roman Rackwitz

Wie das perfekt gehen kann, zeigt uns eine Blutspendenkampagne aus Schweden:

Wird mit dem Blut des jeweiligen Spenders ein Leben gerettet, werden die Wohltäter darüber ebenfalls per SMS informiert.

„Danke! Das Blut, dass Sie am 26. Mai 2015 gespendet haben, ist jetzt zum Wohle eines Patienten eingesetzt worden. Mit freundlichen Grüßen, das Blutspendezentrum“, heißt es in der verschickten Nachricht.

 

Solch eine Nachricht zu einem völlig unerwarteten Moment, eventuell ja sogar Monate nach der Spende, sorgt in der Regel für eine intrinsische Belohnung für den Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, dies als sehr effektiven Trigger zu nutzen um den Spender zu einer weiteren Spende zu bewegen, steigt hiermit rapide an.

Einen bedeutungsvollen Einfluss auf unser Umfeld – und die Menschen darin – zu haben, gehört zu den motivierendsten und erfüllendsten Ereignissen in unserem Leben.

Nur in dem man eine simple SMS dazu nutzt, dem Spender zum aktuellen Zeitpunkt ein direktes Feedback über seine Blutspende zu geben, übertrifft man alle anderen Motivatoren wie Schokolade für das Blutspenden, 20€ oder ein Frühstück vor Ort. Dies sind alles bekannte Aktionen, wie man sie bei uns häufig erlebt. Die Herausforderung mehr Wiederholungstäter beim Blutspenden zu erzeugen, wurde damit aber nicht gelöst.

Vielleicht sollten gerade auch öffentliche Einrichtungen sich mehr darum kümmern, wie man Engagement in der Gemeinschaft besser designt, anstatt immer nur auf simple extrinsische Trigger oder Belohnungen zu setzen. Eventuell könnte man so auch anderweitig effektiver werden und sogar Kosten einsparen!?

 

Zu diesem Thema werde ich in Zukunft etwas mehr veröffentlichen. Solch ein Wissen zur Nutzung im Gemeinwohl besser einzusetzen, finde ich als sehr faszinierend und auch notwendig. Es gibt so viel mehr als nur das Blutspenden, das davon profitieren kann. Man denke nur mal an die Motivation zu wählen, Steuern zahlen, ehrenamtliche Betätigungen, Vereinswesen, usw.

Irgendwelche Vorschläge an Themen oder sogar konkrete Herausforderungen? Dann antwortet mir hier oder gerne auch per Mail an roman@engaginglab.com.

 

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